… für gesetzlich Versicherte

März 15th, 2013

Informationen für gesetzlich Versicherte

… und für privat Versicherte

 

Sehr verehrte Patientinnen und Patienten,

Über unseren Flyer hinaus, den Sie bei Ihrer ersten Behandlung erhalten, wollen wir Ihnen auf diesem Wege noch ein paar zusätzliche Informationen zur Verfügung stellen.

Immer wieder hören wir von Patientenseite:

  • Als Kassenpatient bekommt man eh nichts mehr verschrieben
  • Als Kassenpatient ist man schlecht versichert
  • Die Kassen zahlen eh nichts mehr,    usw.. usw..

 

Das sehen wir nicht so.

Unsere Praxis könnte ohne Sie (und Ihre Verordnung) nicht existieren. Auch sind die Leistungen, die die gesetzlich Versicherten bei uns bekommen, nicht schlechter als die der Privatversicherten. Wir können ein z.B. Kniegelenk nur richtig oder falsch, gut oder schlecht,  behandeln. Privat oder Kasse ist hier egal.

Worin liegt dann aber der „vielbeschworene“ Unterschied?

  • 1. Der Zeitfaktor.

Die gesetzliche Krankenkasse gibt Mindestbehandlungszeiten vor, die bei einer krankengymnastischen Behandlung bei 15 – 20 Minuten Regelbehandlungszeit beginnen. Für diese Behandlung bekommen wir eine Erstattung von ca. 14,23 €. Bei zwei Patienten die Stunde, würde dies logischerweise einen erwirtschafteten Betrag von 28,46 € ergeben.In diesem “Stundenlohn” ist aber auch noch enthalten: Terminplanung, Dokumentation, Rezeptprüfung, Herrichten der Kabine und wieder aufräumen, evtl. Hilfestellung beim An- und Ausziehen, etc.)

  • 2. Die Therapieeinschränkung.

Während bei Privatversicherten durchaus möglich ist, mehrere Leistungen zu kombinieren, wurde diese im Heilmittelkatalog für gesetzlich Versicherte eingeschränkt. Zusatzleistungen wie Fangopackungen oder Elektrotherapie können nur allein für sich, dazu verordnet werden. Ein Rezept bei intensiven Rückenbeschwerden wie Fangopackungen plus Manuelle Therapie plus Elektrotherapie ist somit nicht möglich.

  • 3. Die Mengenbeschränkung.

Im Heilmittelkatalog ist festgelegt, dass Ihre Beschwerden „gefälligst“ nach einer bestimmten Verordnungsmenge besser zu sein haben. Daran muss sich der verordnende Arzt halten, was erklärt, warum es manchmal so schwierig ist, ihn davon zu überzeugen, eine weitere Verordnung auszustellen.

Für das beschriebene, verletzte Kniegelenk bedeutet dies oft:

Der Kassenpatient bekommt eine Verordnung:

  • 6 x Krankengymnastik

 

Der Privatversicherte bekommt eine Verordnung:

  • 10 x manuelle Therapie plus 10 x Elektrotherapie plus 10 x Eispackung, sollte die Verletzung noch mit einer Schwellung einhergehen:
  • 10 x Manuelle Lymphdrainage.

Im Anschluss daran kann er mit einer Verordnung 10 x Krankengymnastik an Geräten  sowohl im Bereich Koordination , als auch im Bereich Kraft, in unserer Trainingstherapie seinen alten Zustand wieder herstellen. Sollte dies nicht ausreichen, bekommt er, ohne Probleme, eine weitere Verordnung.

Hinzu kommt, dass aufgrund der deutlich höheren Erstattung der Zeitfaktor höher ist. Über evtl.. Zusatzleistungen außerhalb des Heilmittelkataloges für gesetzlich Versicherte, haben wir jetzt außerdem überhaupt noch nicht gesprochen. (Kinesiotaping, Matrix-Rhythmus-Therapie, Magnetfeldtherapie, Reflexzonentherapien, Vibrationstraining, etc.)

Ein weiteres, großes Problem für Physiotherapiepraxen:

Die gesetzlichen Krankenkassen haben seit dem Jahr 2001 ihre Erstattungen um insgesamt 7,8% angehoben, dies bedeutet pro Jahr nicht einmal 0,8 % !!,

Wenn ich nur von einer Anpassung der Gehälter der Krankenkassenmitarbeiter von 2% jährlich ausgehe, sind dies in dieser Zeit 20 %.

Gleichzeitig wurden uns aber immer mehr Verwaltungsaufgaben zugeordnet, sodass wir ohne zusätzliches Personal eigentlich gar nicht alle Vorgaben erfüllen können (Wir haben eine Prüfpflicht für Ihr Rezept. Keine richtige Verordnung bedeutet keine Erstattung unserer Leistungen)

Eines lohnt sich aber ebenfalls noch, um den Unterschied Kassenpatient zu Privatpatient zu verstehen: ein Blick ins Sozialgesetzbuch V. Dort ist zu lesen:

„Das Leistungsrecht in der gesetzlichen Krankenversicherung begrenzt den Leistungsanspruch des einzelnen Versicherten darauf, dass die Leistungen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein müssen. Über das „notwendige Maß“ hinausgehende oder unwirtschaftliche Leistungen können die Versicherten nicht beanspruchen, die Leistungserbringer dürfen sie nicht bewirken und die Krankenkassen nicht bewilligen (§ 12 Abs. 1 SGB V).“

  • Ausreichend  ……….in der Schule bedeutet das wohl Note 4
  • Zweckmäßig………..ist eine Obstkiste als Wohnzimmertisch auch
  • Wirtschaftlich……….also wohl mit dem geringsten finanziellen Aufwand

Eigentlich ist das ja alles nicht sehr schlimm, denn man kann damit zurechtkommen.

Schlimm ist aus meiner Sicht nur, dass man Ihnen, auch oftmals seitens der Politik, erzählt , man würde Ihnen Leistungen in einer sehr guten bzw. optimalen Qualität zur Verfügung zu stellen.

Genau das steht aber eigentlich nicht im Gesetzestext. Seltsam, oder?

Wir haben über Jahre hinweg (ich habe meine Praxis 1991 eröffnet) zusehen müssen, wie eine Reform nach der anderen unseren Bereich „verschlimmbessert“ hat. Wir haben über all die Jahre versucht, dies für unsere Patienten zu kompensieren. Wir müssen aber feststellen, eine wirtschaftliche Führung unserer Praxis ist nur noch zu erreichen, wenn wir uns exakt an die Vorgaben der gesetzlichen Krankenkassen halten. Sowohl vom zeitlichen Umfang, als auch hinsichtlich der übrigen Vorgaben. Was wir aber sicher nicht machen werden, ist unsere Qualität der Leistung, die Ihnen verordnet wurde, einzuschränken.

Wir würden Sie anlügen, wenn wir nicht eingestehen würden, dass ein Privatversicherter eine sehr gute, optimal auf sein Krankheitsbild ausgerichtete, und auch manchmal teurere Leistung erhält, die auch einen höheren zeitlichen Umfang hat. Dies führt zwangsläufig ofmals zu einem anderen Behandlungs- und Genesungsverlauf.

Dies hat wohl auch der Gesetzgeber, bzw. die Vertreter der Krankenkassen, erkennen müssen. Denn erstmals wurde jetzt dem Versicherten die Möglichkeit eingeräumt, seine Therapie zu ergänzen, oder durch Zusatzleistungen zu verbessern.

Natürlich läuft das aber auch wieder einmal darauf hinaus, dass der Kassenversicherte, zu seinem Premiumbeitrag von ca. 15 % seines Bruttolohnes, Zuzahlungen leisten muss. Leider auch im Bereich der Physiotherapie. Außer natürlich, Sie sind mit einer zweckmäßigen, wirtschaftlichen und ausreichenden Leistung zufrieden.

Herzlichst

 

Hermann Puck

 

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